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Kein
Handlungsbedarf: IOC-Präsident
Rogge |
21. September 2006
Zwei Jahre vor der Austragung der
Olympischen Spiele in Peking hat
Amnesty International das
Internationale Olympische Komitee
(IOC) aufgerufen, mehr Druck auf
die chinesische Regierung
auszuüben, damit die
Menschenrechte in der
Volksrepublik besser geachtet
werden. In einem am Donnerstag
veröffentlichten Bericht wirft
Amnesty den chinesischen Behörden
vor, ihr vorolympisches
Versprechen einer Verbesserung der
Menschenrechtslage nicht zu
halten.
Es
gebe weiterhin schwere Verstöße in
der Volksrepublik China, heißt es
in dem Bericht. Bürgerrechtler
würden festgenommen und
verurteilt, die Kontrolle über das
Internet und die Presse
verschärft. Amnesty verweist
besonders auf die weiträumigen
Abrisse von Wohnquartieren für die
olympischen Umbauten und
Infrastrukturmaßnahmen. Die
Menschen würden gegen ihren Willen
aus ihren Wohnungen vertrieben.
Der Bürgerrechtler Ye Guozhu, der
sich für Abrißopfer eingesetzt
hatte, werde im Gefängnis
mißhandelt. Er hatte versucht,
eine Demonstration zu
organisieren, und wurde deswegen
zu einer mehrjährigen Haftstrafe
verurteilt.
Kein
Druck durch das IOC
Amnesty beklagt auch die große
Zahl der Todesurteile und die
Benutzung von Organen Exekutierter
für Transplantationen. Das IOC
sagte in einer Stellungnahme, es
sei zwei Jahre vor dem Beginn der
Spiele in Peking noch zu früh, von
nicht gehaltenen Versprechen der
chinesischen Regierung zu
sprechen. Es sei nicht das übliche
Vorgehen des IOC, Druck auszuüben.
Die
Olympischen Spiele werden am 8.
August 2008 in Peking beginnen.
Der Umbau der chinesischen
Hauptstadt und der Neubau der
Sportstätten soll bis Ende
nächsten Jahres beendet sein.
China hat „grüne und humanistische
Spiele“ versprochen, konkrete
Zusagen in bezug auf
Menschenrechte aber nicht gemacht.
Wegen neuer Zensurbestimmungen und
des Drucks auf Bürgerrechtler, die
sich gegenüber ausländischen
Medien äußern, ist in der letzten
Zeit besonders die Frage freier
Berichterstattung durch
ausländische Medien in China vor
und während der Olympischen Spiele
wieder in den Blickpunkt gerückt.
Chinesische Zeitungen berichteten
vor kurzem, daß die meisten
Wanderarbeiter aus den Provinzen,
in Peking gibt es derzeit vier
Millionen, für die Zeit der Spiele
aus der Stadt gewiesen werden
sollen. Dies wurde von der
Stadtregierung dementiert. Es
handele sich dabei nur um
Vorschläge Einzelner und nicht um
einen Beschluß.