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Asiens wildes Herz
Der hohe Norden vom Reich der Mitte ist immer noch ein Abenteuer: Die Landschaft ist extrem, die Bevölkerung multinational und die Metropole Urumqi ein Schmelztiegel der Kulturen - Vorausgereist

Von Andreas Gruschke
Der japanische Landcruiser jagt einsam über die neu gebaute Wüstenautobahn, vorbei an einem Meer von sich gleichmäßig drehenden Windrotoren - wo denn kann in dieser Wüstenei so viel Strom gebraucht werden? Und schon tauchen am Horizont die ersten Fabrikschornsteine auf, schließlich sogar Hochhäuser. Die Fahrt geht mitten in einen Stau hinein, der jeder mitteleuropäischen Stadt am verkaufswütigen Feierabend alle Ehre machen würde.

Hier im Herzen der zentralasiatischen Metropole Urumqi, eingebettet zwischen Hochgebirge und Wüste, war so etwas eigentlich nicht zu erwarten. Schnell sind die einsamen Weiten der Geröllwüsten am Fuß des schneebedeckten Himmelsgebirges vergessen, das weitläufige Tal mit kargen Weidelandschaften, Äckern und einem Meer aus Steinen. Plötzlich türmen sich schachtelförmige Wohnbauten auf. Auf einer Eisenbahnlinie schleppt eine Dampflokomotive im Schneckentempo einen nicht enden wollenden Güterzug vorwärts. Es geht also immer noch bergauf.

Rund 900 Meter hoch liegt Urumqi, und damit bald einen Kilometer oberhalb der berühmten Turfan-Oase im Südosten, zu der alle Touristen entlang der Seidenstraße fahren. Knapp 3000 Kilometer vom Meer entfernt liegt diese Senke an ihrer tiefsten Stelle 154 Meter unter dem Meeresspiegel. Im Sommer verwandelt sie sich in einen Glutofen, während auf den Gipfeln des Bogda-Ola-Gebirges Schnee und Eis liegen.

Der Stau hat sich erstaunlich schnell aufgelöst. In flotter Fahrt tauchen wir nun in eine Skyline ein, die eher an die USA erinnert als an eine orientalische Stadt im Herzen Zentralasiens. Eine Vielfalt von knalligen Farben, betäubenden Geräuschen und anderen kunterbunten Eindrücken stürzt auf den Ankömmling ein.

Auf den Gehsteigen eilen oder flanieren zentralasiatische, chinesische, aber auch europäisch wirkende Menschen vorüber: Han-Chinesen, die in Anzug und Krawatte ebenso bedeutend wirken wollen wie die Manager überall auf der Welt, neben Männern mit Reiterstiefeln und Uigurenkäppi. Adrette Frauen mit Pumps und Minirock neben wohlbeleibten Mammis in wallenden Gewändern. Ältere Chinesinnen tragen Fleisch und Gemüse, das sie auf den orientalisch anmutenden Märkten eingekauft haben, in Netzen und offenen Taschen nach Hause.

Die offensichtliche chinesische Mehrheit in der Hauptstadt eines überwiegend türkisch-uigurisch geprägten Gebiets ist durchaus nicht erst eine Erscheinung der Moderne. Die Stadt mit dem wohlklingenden mongolischen Namen "Liebliche Weide" ist aus dem chinesischen Dihua hervorgegangen, das vor über zwei Jahrhunderten zur Hauptstadt der Vielvölkerregion Xinjiang ("Neue Grenzmark") gemacht wurde. Der heutige Name wurde der Stadt erst 1954 gegeben - fünf Jahre nach Gründung der Volksrepublik China. Er soll die Verbundenheit des Landes mit der turk-mongolischen Umgebung symbolisieren.

Von den rund eineinhalb Millionen Menschen sind drei Viertel Angehörige der Han - also jenes Volkes, das wir schlicht als die Chinesen bezeichnen. Vom Typ her sind ihnen die Hui sehr ähnlich - chinesische Muslime, die keine eigene Sprache mehr sprechen, dafür aber einen sehr herb klingenden chinesischen Dialekt. In Urumqi machen sie neun Prozent der Bevölkerung aus und betreiben viele der köstlichen Nudelrestaurants, in denen die Fremden immer wieder fasziniert das kunstvolle Schleudern und Herumwirbeln des Nudelteigs beobachten. Außerdem leben hier die heutigen Uiguren, die mehr den Türken als dem gleichnamigen historischen Volk verwandt sind, aber auch Kasachen und Mandschus, Mongolen, Xibo, Usbeken und sogar Russen.

Das alte Dihua war ursprünglich nur eine große Ansammlung von schäbigen Lehmhütten und Garnisonen. Was sich aus der bis in die 1940er-Jahre lediglich 80.000 Menschen beherbergenden Stadt entwickelte, war zunächst ein "sozialistisches Arbeiterparadies". Seit der wirtschaftlichen Liberalisierung Chinas und vor allem durch die rasch voranschreitende Erschließung von Xinjiangs Bodenschätzen wie Kohle und Erdöl hat sich aus der grauen Maus ein bunt-schillernder Phoenix entwickelt.

Die Stadt hat durchaus ihr eigenes turk-chinesisches Mischgepräge: Hier kuppelbekrönte Moscheen, dort Bauten mit geschwungene chinesischen Dächern neben modernen Büro- und Bankgebäuden. Kreisförmig angelegte Fußgängerüberführungen thronen inmitten einer bunten Geschäftswelt über zentralen Straßenkreuzungen. So weit das Auge reicht, schließt ein Geschäft ans andere an, in Schaufenstern locken Handys, Piepser und andere Elektronik- Artikel zum Kauf. Werbeplakate unterbrechen die Sicht auf die Ladenzeilen, hinter denen sich ein kleines Restaurant ans andere reiht. Nobelkaufhäuser und kleine Boutiquen folgen. Und immer wieder Lädchen, in denen der Handy-bewehrte Geschäftsmann Zigaretten einkauft und der durstige Tourist eine Flasche Xinjiang-Bier.

Im Sommer, wenn es hier bis zu 40 Grad heiß wird, tauchen am Horizont die schneebedeckten und schroffen Berggipfel auf. Der Hausberg Urumqis ragt 5445 Meter hoch auf, und es sind die Gletscher an seinen Hängen, die das Wasser für die "Liebliche Weide" liefern.

In nur zwei Stunden ist von der quirligen Innenstadt der 2500 Meter hoch gelegene Himmelssee zu erreichen, eine ganz andere einsame Kiefernwald- und Weidelandschaft - der Alpenwelt sehr ähnlich. Fast ebenso schnell kann sich der Besucher aber auch zu den berühmten Heiligtümern entlang der alten Seidenstraße ins Turfan-Becken aufmachen, zu einer von der Moderne unberührten, vor sich hin dämmernden Welt.

Info Urumqi

Anreise: Von Frankfurt mit Air China und Lufthansa nach

Beijing, von dort meist am selben Tag per Inlandsflug in knapp vier Stunden nach Urumqi. Meistens wird die Stadt im Zuge von Seidenstraßen-Reisen besucht. Individuelle Arrangements z.B. über Indoculture Tours, Tel. 0041/1/3630104, Fax 3625107. In Urumqi über Mr. Wang Lun von Xinjiang Tourism Co., Ltd., Fax 0086/991/2818691, E-Mail: guonei@xinjiangtour.com.cn bzw. citsxj@mail.wl.xj.cn

Papiere: Reisepass; Visa werden nicht mehr per Post erteilt. Wer nicht persönlich bei Botschaft oder Konsulat vorsprechen will, kann das Visum von einem Visa-Beschaffungsdienst besorgen lassen, z.B. Visa-Express-Service Rosskotten & Weiss, Plittersdorfer Straße 191, 53173 Bonn.

Reisezeit: Besonders schön sind die Herbstmonate von September bis Ende Oktober.
 

Die Welt Datum: 2002-07-21 -
 


© ETIC  21/07/2002 11:30  Published By A. Karakash