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"Es muss weiterhin die deutliche Kritik
an China geben"
Gerd Poppe,
Menschenrechtsbeauftragter des
Auswärtigen Amtes, spricht sich für
weiteren Druck auf Präsident Jiang Zemin
aus
Berlin - Das Thema Menschenrechte
überschattet und prägt den Staatsbesuch
des chinesischen Präsidenten Jiang Zemin
in Deutschland. Auch der
Menschenrechtsbeauftragte des
Auswärtigen Amtes, Gerd Poppe, hat im
Vorfeld des Besuches angemahnt, dieses
Thema deutlich anzusprechen. Mit ihm
sprach Sophie Mühlmann.
DIE WELT: Die rot-grüne Regierung
sagt von sich selbst, die "diplomatische
Zurückhaltung" gegenüber China
überwunden zu haben. Würden Sie das
bestätigen?
Gerd Poppe: Soweit ich mich erinnern
kann, haben wir, zumindest was das
Auswärtige Amt, mich und den
Außenminister betrifft, mit China immer
Klartext geredet. Es gibt zum Einen den
institutionalisierten
"Rechtsstaatsdialog", den der
Bundeskanzler vereinbart hat. Der
beinhaltet allerdings viele
unterschiedliche Rechtsfragen. Aber
daneben haben wir ja auch andere
Dialogmöglichkeiten, die mir immer in
der öffentlichen Wahrnehmung etwas zu
kurz kommen. Vor allem der
Menschenrechtsdialog zwischen der
Europäischen Union und China ist sehr
intensiv.
DIE WELT: Werden denn Ihrer Meinung
nach alle Möglichkeiten ausreichend
ausgeschöpft?
Poppe: Nun, das Ergebnis ist natürlich
unbefriedigend. Wir führen diese
Diskussion mit China seit etlichen
Jahren, und es sind immer die gleichen
Themen, die wir unablässig anschneiden:
die exzessive Anwendung der Todesstrafe,
die Administrativhaft, die Repressionen
gegen Religionsgemeinschaften, die
Unterdrückung der Tibeter und Uiguren.
Die Erfolge sind bisher leider sehr
dürftig. Das einzige, was in den letzten
Jahren festzustellen ist: die
Gesprächsbereitschaft auf chinesischer
Seite ist deutlich gestiegen. Früher
wurde jeder Versuch abgewehrt, indem man
gesagt hat, Menschenrechte sind eine
rein westliche Vorstellung.
DIE WELT: Sind die Chinesen nicht
vielleicht einfach nur geschicktere
Diplomaten geworden, wenn sie nach außen
hin mehr Bereitschaft signalisieren?
Poppe: Das ist im Einzelnen nicht
messbar. China ist nunmal ein
kommunistischer Staat, da sind die
Möglichkeiten begrenzt. Die
Volksrepublik ist ja keine Demokratie,
und es besteht auch nicht die Absicht,
eine Demokratie nach unseren
Vorstellungen einzuführen. Solange das
so ist, werden wir es mit solchen
Defiziten zu tun haben.
DIE WELT: Gibt es überhaupt konkrete
Reformbereitschaft?
Poppe: Die gibt es zum Beispiel dort, wo
das System selbst in Gefahr gerät, wie
etwa beim Thema Korruption. Hier ist es
durchaus glaubhaft, wenn die chinesische
Führung verspricht, massiver dagegen
vorgehen zu wollen. Diese
Reformbereitschaft ist aber immer dann
am Ende, wenn das System als solches in
Frage gestellt wird. Wenn sich etwa eine
demokratische Partei konstituiert, dann
verschwinden die Mitglieder für dreizehn
Jahre im Gefängnis. Da ist die Grenze
des Dialogs für die chinesische Seite
offensichtlich erreicht. Das befriedigt
uns natürlich überhaupt nicht.
DIE WELT: Beugt man sich nicht ein
bisschen zu sehr den Vorgaben der
Chinesen?
Poppe: Ich kann natürlich nicht für das
Kanzleramt sprechen. Aber von meiner
Warte als Menschenrechtsbeauftragter im
Auswärtigen Amt kann ich sagen, dass es
die Menschenrechtsdebatte gibt, auch
jetzt beim Besuch Jiang Zemins in
Berlin. Der Außenminister hat im Übrigen
immer wieder sehr deutlich diese
Probleme angesprochen. Es ist natürlich
die Frage, ob man das auch ständig
öffentlich machen muss. Da gehen die
Meinungen auseinander. Ich glaube, man
muss beides tun: auf der einen Seite
muss man interne Gespräche führen, in
denen man zum Beispiel etwas für
Einzelpersonen erreichen kann, wenn es
etwa um die Freilassung politischer
Gefangener geht. Das ist in letzter Zeit
übrigens in mehreren Fällen gelungen.
Auf der anderen Seite muss es auch die
öffentliche und deutliche Kritik geben.
Wie zum Beispiel die gerade gegenüber
China sehr deutliche Rede Fischers vor
zwei Wochen in Genf.
DIE WELT: Sind sie denn
zuversichtlich, dass der stete Tropfen
den Stein höhlen wird?
Poppe: Ja, aber ich bin trotzdem nicht
zufrieden. Ich werde trotzdem immer
sagen, die Menschenrechte müssen noch
viel deutlicher angesprochen werden.
Wenn wir gegenüber China Stillschweigen
üben, dann wird sich gar nichts ändern.
Die Chinesen werden nur dann etwas
ändern, wenn wir sie ständig daran
erinnern und ständig mit diesen Themen
konfrontieren.
Gespräche über Menschenrechte
Berlin – Abgeschirmt von Presse und
Öffentlichkeit, hat am Dienstag der
offizielle Teil des sechstägigen
Deutschlandbesuchs von Chinas
Staatspräsident Jiang Zemin begonnen.
Jiang traf in Berlin zu Gesprächen mit
Bundespräsident Johannes Rau und
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD)
zusammen. Rau empfing den Staatsgast am
Morgen zunächst mit militärischen Ehren.
Eines der Hauptthemen der anschließenden
Unterredung zwischen Rau und Jiang war
nach Angaben einer Sprecherin des
Bundespräsidenten die
Menschenrechtssituation in China. Wie
schon am Montag wurde der Besuch Jiangs
von Protesten gegen die fortgesetzte
Verletzung von Menschenrechten in China
begleitet. Einige Dutzend Mitglieder von
Amnesty International, der „Gesellschaft
für bedrohte Völker“ sowie der in China
verbotenen Falun-Gong-Bewegung hielten
Mahnwachen vor dem Amtssitz des
Bundespräsidenten und dem Kanzleramt.
Die sonst bei Staatsbesuchen üblichen
Pressetermine, bei denen der Staatsgast
sich den Fragen der Journalisten stellt,
gab es diesmal nicht.ddp
Die
Welt Datum: 2002-04-10 -
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© ETIC
10/04/2002 10:10 Published By A. Karakash |
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