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Geduldete Gewalt
Editorial

Von Dietrich Alexander
Der Krieg gegen den internationalen Terrorismus tobt noch immer. Er ist nicht mehr so laut, nicht mehr so spektakulär, nicht mehr so medienwirksam. Doch Washington und seine Verbündeten haben ihren Feldzug noch lange nicht beendet. Die Weltmacht kann das Kapitel nicht schließen, bis auch der letzte religiösem Wahn verfallene Al-Qaida-Kämpfer und Taliban-Jünger gefangen oder getötet ist. Denn mit Fanatikern ist Dialog nicht möglich.

Morgen vor genau einem halben Jahr begannen die USA ihre Militäroffensive in Afghanistan. Sie demonstrierten ihre geballte Macht und entrissen Taliban und Al Qaida ihre verbrecherische Herrschaft über das afghanische Volk. Der Krieg schien von kurzer Dauer angesichts der schnellen Erfolge. Doch es war erst der Anfang. Für das, was wir tun, so sagt US-Verteidigungsminister Rumsfeld, gibt es keine Blaupause.

Amerika also setzt seinen Verteidigungskrieg fort: Offen, wie in Ostafghanistan, auf den Philippinen, in Pakistan. Oder im Verborgenen, wie im Jemen, in Saudi-Arabien, in Somalia. Und der Krieg, den die USA nicht gewollt haben aber dem sie sich stellen müssen, wird von der Welt sanktioniert als gerecht, legitim und notwendig. Gelegentliche Vorwürfe der Konzeptlosigkeit der US-Regierung verhallen ungehört angesichts der demonstrativen Entschlossenheit von Bush, Rumsfeld, Cheney und Powell, die Sache zu Ende zu bringen und einen zweiten 11. September niemals geschehen zu lassen.

Im Schatten dieses als gerechtfertigt geltenden Kampfes aber entwickelt sich in den Köpfen der Menschen schleichend ein höheres Duldungspotenzial von Gewalt. Die täglichen Meldungen von Selbstmordanschlägen, Kämpfen und Zerstörungen im Nahen Osten, der De-facto-Kriegszustand dort mit fast 1500 Toten in eineinhalb Jahren werden inzwischen nicht nur von Politikern vor allem in den USA, aber nicht nur dort, sondern auch von den Völkern mit einer fatalen Hilf- und Sprachlosigkeit, ja mit Desinteresse zur Kenntnis genommen. Ist es Resignation oder aber Abstumpfung als Folge des 11. September?

Und was ist mit den Konflikten, die sich im Schatten des Anti-Terror-Krieges abspielen? Vergessen scheint Tschetschenien, wo die russische Armee mit der Begründung, ebenfalls einen Krieg gegen Terroristen zu führen, "ethnische Säuberungen" unter der Zivilbevölkerung mit wenig Trennungsschärfe zwischen Tätern und Opfern vornimmt. Kriegsherr Putin wird international hofiert und gilt seit seinem Beitritt zur Anti-Terror-Allianz als uneingeschränkt bündnisfähig, da kann man über das kleine Kaukasusproblem schon mal hinwegsehen. China nutzt die weltweite Gewalt-Toleranz, um seine "Probleme mit ethnischen Minderheiten" zu lösen: Uiguren, Tibeter, Mongolen und auch gleich noch die Taiwan-Frage. Australien verschärft die Gangart gegen illegale Einwanderer - nur den hungerstreikenden und sich in Stacheldrahtrollen werfenden Insassen von Woomera ist es zu verdanken, dass dieser menschenverachtende Umgang mit Schutzbefohlenen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde.

Der Anti-Terror-Krieg der USA dient vielen Machthabern in aller Welt als Rechtfertigung, ihren persönlichen Kampf gegen "ihre Terroristen" aufzunehmen. Zugleich stirbt die öffentliche Empörung darüber, und die Demokratie erfährt scharfe, zuweilen unzulässige Einschränkungen. Der 11. September und seine Folgen haben den Blick auf die Dinge verändert. Die Menschen sind härter, kompromissloser geworden - und unsensibler.


Die Welt Datum: 2002-04-06 -
 

© ETIC  07/04/2002 08:30  Published By A. Karakash